Besser morgens unters Messer


Einfluss auf das Überleben
Besser morgens unters Messer
mauritius images / Westend61 / Pau Cardellach Lliso

Wer sich seinen OP-Termin aussuchen kann, sollte ihn am Vormittag wählen. Denn bei Eingriffen vor 13:00 Uhr sind die Chancen für das Überleben offenbar besser als bei nachmittäglichen Operationen.

290000 Operationen analysiert

Das Gelingen einer Operation hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel davon, wie schwer die Erkrankung und wie komplex der Eingriff ist, und natürlich auch von der Expertise des Operierenden. Nun hat eine südkoreanische Arbeitsgruppe untersucht, ob auch der Zeitpunkt der Operation von Belang ist.

Dazu analysierten sie die Daten von über 290 000 Patient*innen, die sich einer Operation unterzogen hatten. Es handelte sich dabei um geplante Eingriffe. Notfalloperationen und Eingriffe am Herzen waren ausgeschlossen.

Weniger Komplikationen, geringere Sterberate

Die Patient*innen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. In Gruppe 1 hatten die Operationen zwischen 8:00 und 13:00 begonnen, in Gruppe 2 zwischen 13:00 und 18:00. Dann verglichen die Forschenden die kurz- und längerfristigen Ergebnisse der Eingriffe.

Es stellte sich heraus, dass bei Operationen, die früh am Tag durchgeführt worden waren, insgesamt weniger Patient*innen verstorben waren als bei Eingriffen am Nachmittag. Die morgens Operierten hatten zudem mit weniger Komplikationen zu kämpfen. Sowohl Blutungen als auch Lungenentzündungen und akutes Nierenversagen traten bei ihnen seltener auf.

Auch langfristig punktete die Vormittagsoperation: Nach einem Jahr lebten in der Früh-OP-Gruppe mehr Menschen, wobei der Vorteil sogar über einen Zeitraum von fast elf Jahren bestehen blieb. Am stärksten machte sich der positive Effekt der frühen Operation bei Patient*innen über 65 Jahren bemerkbar.

Die Unterschiede waren zwar nicht groß, aber vorhanden, schreibt das Team. Mit der Art der Eingriffe hatten sie offensichtlich nichts zu tun. Denn die Ergebnisse blieben im Trend auch bestehen, als die Forschenden bei ihren Berechnungen weitere Einflussfaktoren wie z. B. Begleiterkrankungen berücksichtigten.

Hormonspiegel und Tagesablauf

Ursache dieser Ergebnisse könnten tageszeitliche Schwankungen der Hormonspiegel sein, vermuten die Autor*innen. Diese könnten einen Einfluss sowohl auf die Leistungsfähigkeit der Chirurg*innen als auch auf das Immunsystem der Operierten haben.

Denkbar wäre aber auch, dass organisatorische Faktoren wie der Tagesablauf im OP eine Rolle spielen könnten. Insgesamt raten die Forschenden, komplizierte Eingriffe oder Operationen bei Risikopatient*innen lieber vormittags zu planen.

Quelle: Springer Medizin

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